Einblicke in den Freiwilligendienst

#jubeljubel20jahre

20 Jahre FSJ – das muss gefeiert werden!
Wir interviewen Einsatzstellen und ehemalige Freiwillige, die uns über ihre Erfahrungen im Freiwilligendienst erzählen!

 

Name: Levin Simmet
Ehemalige Einsatzstelle: mon ami Weimar
Freiwilligendienstjahr: 2017/18

Beschreibe Deinen Freiwilligendienst in einem Satz.
Levin Simmet:
Das FSJ hat als hartes, aber belohnendes Jahr mein Selbstwertgefühl gestärkt und mich
selbstständiger gemacht.

Warum hast Du Dich für einen Freiwilligendienst entschieden?
Levin Simmet: Es erschien mir als eine gute Gelegenheit vor dem Studium noch etwas Bedenkzeit zu bekommen, um zu erfahren was ich wirklich machen möchte.

Was macht den Freiwilligendienst für Dich so besonder?
Levin Simmet: Der Freiwilligendienst ist eine gute Möglichkeit in einem geschützten Umfeld zu lernen mit der Verantwortung und den Aufgaben eines Berufs im Kultursektor umzugehen, zumindest in einem bestimmten Rahmen. Dabei kann man als freiwillige Person Erfahrungen sammeln, die auch nach dem FSJ hilfreich sind und eine neue Perspektive ermöglichen.

An welche Momente im Freiwilligendienst denkst Du gerne zurück?
Levin Simmet: Am liebsten Denke ich an die Teambesprechungen am Montag zurück, da sie wirklich das Gefühl einer gesunden Gruppendynamik und eines eingespielten Teams geweckt haben. Auch die morgendliche Routine, zunächst die Veranstaltung des Vortages zurückbauen zu müssen, ist etwas woran ich gern zurückdenke.

In welcher Form hat Dich Dein Freiwilligendienst geprägt?
Levin Simmet: Das FSJ hat mich vor allem in meinem Umgang mit Menschen geprägt. In Stresssituationen ruhig zu kommunizieren und auch bei rauen Gegentönen höflich zu bleiben war eine Notwendigkeit im Umgang mit Auftraggebern, und es hilft mir bis heuet im Alltag.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel im Freiwilligendienst getan.
Was wünscht Du zukünftigen Freiwilligen? Was sollte sich verändern?
Levin Simmet: Seit meinem eigenen FSJ ist das Freiwilligenticket stets ein Thema gewesen. Dies den Freiwilligen zur Verfügung zu stellen wäre ein wichtiger Schritt.

 

 

Name: Carmen Grunwald
Einsatzstelle: 3K- Kunst, Kultur, Kommunikation e.V., Mühlhausen
Einsatzstelle seit: 2001

Warum bietet ihreinen Freiwilligendienstplatz in eurer Einrichtung an?
Carmen Grunwald:
Das 3K arbeitet seit Beginn anvorrangig mit und für Kinder und Jugendliche. Da lag es sehr nah, dass wir uns auch Einsatzstelle sind. Von Beginn an sahen wir hier eine weitere Möglichkeit für Jugendliche sich der kulturellen Arbeit intensiver zu widmen und vielleicht sogar ihre berufliche Orientierung zu finden oder weiter zu verfolgen. Partizipation war und ist für uns ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit.

Welche Auswirkungen hat der Freiwilligendienst auf Deine Arbeit?
Carmen Grunwald:
Mein persönlicher Aufgabenbereich wurde dadurch erweitert: Neben der pädagogischen Begleitung bin ich auch Ansprechpartner für alle Themen, die die Jugendlichen umtreiben. Das geht von der Beratung zu Wohngeld bis zur Hilfestellung bei Lösung von privaten Problemen, je nach Bedürfnis des*der jeweiligen FSJ-ler*in. Eine besondere Herausforderung gerade im kulturellen Bereich mit vielen Veranstaltungen liegt dabei bei der Betreuung von FSJ-ler*innen unter 18 Jahren.

Was schätzt Du besonders an der Zusammenarbeit mit den Freiwilligen?
Carmen Grunwald:
Mit den Jugendlichen kommt nicht nur frischer Wind in viele Projektideen, sie sind überwiegend in der Lage unsere Arbeit mit Distanz von außen zu betrachten, was uns bei der Evaluation vieler Angebote schon geholfen hat. Sie sind sehr oft Bindeglied zwischen den Mitarbeitenden und der Kinder- und Jugendgruppe, was wir als großen Zugewinn für uns betrachten. Viele schöne Projekte der FSJ-ler*innen haben bereits unsere Angebote bereichert, was ich für einen absoluten Zugewinn halte.Und natürlich sind FSJ-ler*innen auch eine zusätzliche Arbeitskraft, die sich vollwertig mit einbringen kann, was uns sehr bei unserer täglichen Arbeit unterstützt.

Freiwilligendienste sind Angebote für jungen Menschen sich gesellschaftlich zu engagieren. Welchen Beitrag kann Deine Einsatzstelle dazu leisten?
Carmen Grunwald:
Ich wünsche mir, dass wir auch weiterhin in der Lage sind die Eigenmittel für den Einsatz von Jugendlichen aufzubringen.
Wir werden auch weiterhin alle Bereiche unserer Einrichtungen so offen halten, dass Jugendliche die Chance haben sich vielseitig zu entfalten und auch innerhalb eines Jahres mehrere Abteilungen durchlaufen können, je nach Interesse und Begabung der Freiwilligen. Wir werden auch weiterhin die Jugendlichen unterstützen ein eigens Projekt zu verwirklichen, um sich ganzheitlich ausprobieren zu können.
Wir werden die Freiwilligen als vollwertiges Mitglied des Teams aufnehmen, ohne sie als Fachkraft zu betrachten, sondern vielmehr um sie zu fördern und ihre Kompetenzen zu erweitern. Partizipation in die Entwicklung von Projekt- und oder Veranstaltungsideen werden wir garantieren, so dass Jugendliche auch das Gefühl bekommen, dass ihre Meinung wichtig und anerkannt ist.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel im Freiwilligendienst getan. Welche Veränderungen wünschst Du dir für den Freiwilligendienst?
Carmen Grunwald:
Die ersten Jahre hatten wir als Einsatzstelle viele Interessierte auf unsere freie Stellen. Seitdem die Jugendlichen sich bundesweit bewerben ist dies nicht mehr so. Die Attraktivität des Freiwilligendienstes müsste erhöht werden, indem mehr Taschengeld gezahlt werden kann, wie in anderen Bundesländern. Die Übernahme von Kosten für Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, ist auch ein sehr wichtiger Punkt - besonders für Jugendliche, die nicht unbedingt das Elternhaus haben, dass sie kräftig unterstützen kann. Zum anderen müsste gemeinsam mit dem Träger versucht werden den Einsatz in Kleinstädten und dem ländlichen Bereich attraktiver zu gestalten, viele Jugendliche wollen eher in die Großstädte.

Wofür bist Du dankbar, wenn Du an den Freiwilligendienst in Deiner Einsatzstelle denkst?
Carmen Grunwald:
Ich persönlich bin sehr dankbar, dass ich in all den Jahren Jugendliche in ihrer Entwicklung begleiten durfte. Es ist für mich jedes Mal wieder ein sehr spannender Prozess vom ersten Tag bis zur Verabschiedung. Gemeinsam mit den Jugendlichen im Gespräch festzustellen, welche positiven Weiterentwicklungen sie durchlaufen haben und wir sie in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt in die nächste Phase ihres Lebens entlassen, ist für mich ein Glücksgefühl. Vor allem, und das kam nicht selten vor, wenn diese Freiwilligen auch nach ihrem Einsatz bei uns, dem Verein treu bleiben und in unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich oder auf anderer Basis engagiert sind.

Ich bin dankbar, wenn ich an ihren Einsatz bei uns denke, wenn sie ein eigenes Projekt verwirklicht haben, für das sie brennen und dadurch unsere inhaltliche Arbeit sehr bereichert haben. Ich bin dankbar, wenn ich später von den Lebensläufen erfahre und feststelle, dass das Jahr bei uns ihnen geholfen hat ihre Richtung zu finden und sie glücklich sind mit ihrer Wahl und ihrem Weg.

 


Name: Christina Walther
Einsatzstelle: Theater Nordhausen – Junges Theater
Freiwilligendienstjahr: 2013/14
Was machst Du aktuell? Koordinierende im Freiwilligendienst Kultur und Bildung

Beschreibe Deinen Freiwilligendienst in einem Satz.
Chrissy:
Eine prägende Zeit, die rückblickend gefühlt zu schnell vorbei war.

Warum hast Du Dich für einen Freiwilligendienst entschieden?
Chrissy:
Seit der Oberstufe war ich teil eines Theaterjugendclubs und bin dort das erste Mal einer Freiwilligen begegnet, die einen kulturellen Freiwilligendienst gemacht hat. Die Möglichkeit von dieser Seite ein Theater und dessen Abläufe kennenzulernen haben mich dazu bewogen, es zu probieren und mich für ein FSJ Kultur anzumelden.

Was macht den Freiwilligendienst für Dich so besonders?
Chrissy: Die Chance eine kulturelle Einrichtung kennenzulernen, ein Jahr zu begleiten und dabei selbst zu wachsen. Auch der Austausch mit anderen Freiwilligen über deren Arbeit und deren Erlebnisse waren sehr bereichernd für mich.

An welche Momente im Freiwilligendienst denkst Du gerne zurück?
Chrissy:
Zu viele, dafür würden die Zeichen hier nicht ausreichen. Ich denke gerne ans Kennenlernen in der Einsatzstelle zurück, an die Zeit in der Ankleiderei und die Begleitung der Musicals "Aida" und "Singing in the Rain", an den Bühnenball, an die vielen Gespräche mit meinen Mentor*innen und Kolleg*innen dort – und in Hinblick auf die pädagogische Arbeit des Trägers: Die Seminare und da insbesondere an den Workshop analoge Schwarz-Weiß-Fotografie.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel im Freiwilligendienst getan. Was wünscht Du zukünftigen Freiwilligen? Was sollte sich verändern?
Chrissy:
Eine tolle Zeit in diesem Jahr der Orientierung. Mut zur Veränderung und zum Über-Sich-Hinauswachsen. Erlebnisse und Freundschaften, die über das Jahr hinaus bleiben. Verändern sollte sich die finanzielle Situation und die Anerkennung – beides sollte verbessert werden. #freiefahrtfürfreiwillige wäre ein sehr guter, erster Schritt.

Wenn Du an Deinen Freiwilligendienst denkst, gibt es etwas, wofür Du dankbar bist?
Chrissy:
Das Format an sich und die Menschen in den Einsatzstellen, vom Träger und unter den Mitfreiwilligen, die mich während dieser aufregenden 12 Monate begleitet haben und noch heute ein Teil meines Lebens sind.

 

 

Name: Anne-Katrein Maschke
Einsatzstelle: IMAGO Kunst und Designschule e.V.
Einsatzstelle seit: 2001

Warum bietet Ihre Einsatzstelle einen Freiwilligendienst an?
Anne-Katrein Maschke:
In unserem Haus, der Jugendkunstschule möchten wir auf Augenhöhe miteinander umgehen und bestenfalls voneinander lernen. Wir bieten den Platz, um den Charakter einer Jugenkunstschule - als Einspartenhaus - in Thüringen intensiver unter Menschen öffentlicher zu machen.

Was schätzen Sie besonders an der Zusammenarbeit mit den Freiwilligen?
Anne-Katrein Maschke: Besonders wichtig ist für mich, dass unsere Freiwilligen* immer eine Herausforderung darstellen. Ihre Stärken zu finden und diese zu entwickeln und meine Schwächen dabei festzustellen.

Freiwilligendienste sind Angebote für jungen Menschen sich gesellschaftlich zu engagieren. Welchen Beitrag kann Ihre Einsatzstelle dazu leisten?
Anne-Katrein Maschke: Durch das aktive Kulturmanagement, die Arbeit an der Basis, können wir die Möglichkeit nutzen, Kunst und Kultur als ein Basiselement unserer Gesellschaft aktiv zu vertreten.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel im Freiwilligendienst getan. Welche Veränderungen wünschen Sie sich für den Freiwilligendienst?
Anne-Katrein Maschke: Die Freiwilligen werden wunderbar durch die LKJ betreut - das braucht wohl nicht mehr, aber das Taschengeld könnte sich noch nach oben entwickeln!

Wofür sind Sie als Einsatzstelle dankbar?
Anne-Katrein Maschke: Zum einen das uns die Sparkassen- Kulturstiftung Hessen-Thüringen im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanziell unterstützt hat. Zum anderen, das der Kontakt zur LKJ Thüringen, sich verstetigt und sich eine wunderbare Vertrauensbasis entwickelt hat.

 

 

Name: Pit Balbierer
Einsatzstelle: Meininger Staatstheater - Abteilung Theaterpädagogik
Freiwilligendienstjahr: 2015/16

Beschreiben Deinen Freiwilligendienst in einem Satz
Pit:
Mein Freiwilligendienst glich einer wilden Achterbahnfahrt, die mit Höhen und Tiefen versehen, eine wundervolle und prägende Erfahrung war.

Warum hast Du Dich für einen Freiwilligendienst entschieden?
Pit:
Ich habe mich damals für einen Freiwilligendienst entschieden, weil ich tiefer in die Institution Theater eintauchen und diese mit all ihren Facetten erleben wollte. Insbesondere der Bereich Theaterpädagogik hat mich schon immer sehr fasziniert

Was macht den Freiwilligendienst für Dich so besonders?
Pit: Der Freiwilligendienst bot mir eine wundervolle und einzigartige Möglichkeit sich selbst auszuprobieren, mit anderen Freiwilligen zu vernetzen und sich über die eigenen Lebensziele, beruflichen Wünsche und Interessen im Klaren zu werden. Außerdem liefert der Freiwilligendienst mir spannende Impulse sich in Form von Workshops innerhalb der Bildungsseminare auszuprobieren, meine eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu schulen und in neue Bereiche einzutauchen.

An welche Momente im Freiwilligendienst denkst Du gerne zurück?
Pit:
Besonders gerne denke ich an die Premiere meiner Regie- und Dramaturgieassistenz des Theaterstückes „Romeo & Julia“ der Bürgerbühne und des Jungen Theaters Meiningen zurück. Über viele Wochen hinweg haben Mitarbeiter*innen und Darsteller*innen an einem Stück gearbeitet, neue Facetten von sich gezeigt und sind dabei weit über ihre Grenzen hinaus gegangen. Zu sehen, wie alle gemeinsam an einer Idee arbeiten und diese mit Hilfe des Stücks lebendig werden ließen, hat mir gezeigt, welch wundervolle Dinge entstehen können, wenn alle an einem Strang ziehen.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel im Freiwilligendienst getan.Was wünscht Du zukünftigen Freiwilligen? Was sollte sich verändern?
Pit:
Ich wünsche mir, dass der Freiwilligendienst in Zukunft noch mehr Anerkennung findet, dass Freiwilligen in ihrer Form des gesellschaftlichen Engagements auf Augenhöhe begegnet werden und dass sich die Konditionen des Freiwilligendienstes (Taschengeld, Ermäßigungen etc.) verbessern.

 


Name: Benedikt Dahlmann
Einsatzstelle: Erinnerungsort Topf & Söhne
Freiwilligendienstjahr: 2015/16

Beschreibe Deinen Freiwilligendienst in einem Satz.
Benedikt: Ich hatte eine spannende, inspirierende und schöne Zeit, in der ich tolle Menschen kennenlernen durfte und einen großen Schritt in meiner Persönlichkeitsentwicklung gemacht habe.

Was macht den Freiwilligendienst für Dich so besonders?
Benedikt: Im Optimalfall hat man eine gute Arbeitsstelle, an der man eigenverantwortlich arbeitet, in einem Team weitestgehend gleichberechtigt ist und nicht ausgenutzt wird. Wenn das so ist, hat man die Möglichkeit sich einem Teil seiner Fähigkeiten bewusst zu werden und zu lernen, wo die eigenen Prämissen bei der Berufswahl und dem beruflichen Umfeld liegen. In jedem Fall ist man Teil einer tollen Gemeinschaft aus Menschen, die nicht nur an sich, sondern auch an andere denken und mit denen man viel Spaß haben kann!

An welche Momente im Freiwilligendienst denkst Du gerne zurück?
Benedikt: Wie wahrscheinlich jede:r Freiwillige denke ich als Erstes an die Seminarfahrten zurück. Auch das (Ein-)Leben in einer neuen, schönen Stadt war aufregend und hat jede Menge Spaß gemacht. Und bei der Arbeit war vor allem das Treffen mit Überlebenden der Schoah eine großartige Erfahrung.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel im Freiwilligendienst getan. Was wünscht Du zukünftigen Freiwilligen? Was sollte sich verändern?
Benedikt: Ich wünsche allen zukünftigen Freiwilligen, dass sie genau die gleiche, tolle Erfahrung machen dürfen, wie ich sie gemacht habe. Dafür sollte sich vor allem ändern, dass tatsächlich jede:r Schulabgänger:in die Möglichkeit bekommt, einen Freiwilligendienst abzuleisten. Auf der einen Seite muss der dafür notwendige finanzielle Rahmen vorhanden sein, auf der anderen Seite muss der Freiwilligendienst noch besser von Unternehmen als besondere Leistung anerkannt werden, die einen größeren Wert hat als eine zügig absolvierte Ausbildung oder ein schnelles Studium nach Ende der Schulzeit.

 


Name: Solveig Negelen
Einsatzstelle: Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V.
Einsatzstelle seit: 2001

Warum bietet die Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. einen Freiwilligendienst an?
Solveig Negelen: Junge Menschen wünschen sich Unterstützung beim Einstieg oder Hilfe bei der Orientierung, bevor sie sich für ihren Ausbildungsweg entscheiden. Dabei sind wir gerne behilflich. Für unser Böll-Stiftungsteam sind die Freiwilligen Bereicherung und Anregung zum gegenseitigen Lernen zugleich.

Welche Auswirkungen hat der Freiwilligendienst auf Deine Arbeit?
Solveig Negelen: Ich lasse meine Arbeit durch die FSJ-Kolleg*innen hinterfragen, bin wach und offen für ihre Ideen und Inspirationen… und genieße die gemeinsame Zeit im Austausch mit ihnen (...)

Was schätzt Du besonders an der Zusammenarbeit mit den Freiwilligen?
Solveig Negelen: Sie gehen visionär, mutig und unverstellt an Themen heran, die sie bewegen! Darüber erfahre ich so Einiges über ihr Denken, ihre Lebenswelt und ihre Fragen an uns.

Freiwilligendienste sind Angebote für jungen Menschen sich gesellschaftlich zu engagieren. Welchen Beitrag kann Deine Einsatzstelle dazu leisten?
Solveig Negelen:
Wir bieten einen Ort, an dem sich junge Menschen in Projekten engagieren und so für Themen einsetzen und mit ihnen „nach draußen“ gehen können. Dabei helfen unsere vorhandenen Möglichkeiten, verschieden Formate auszuprobieren und diese auch finanziell abzusichern. Sehr oft verfolgen die Freiwilligen diese Themen nach Ihren FSJ weiter, bleiben in Kontakt mit anderen Engagierten oder Freiwilligen anderer Einsatzstellen.

 

 

Name: Annika Oppat
Einsatzstelle: Jugendtheater Stellwerk Weimar
Freiwilligendienstjahr: 2014/15

Beschreibe Deinen Freiwilligendienst in einem Satz.
Annika:
Außerordentlich überraschend, prägend und definitiv einmalig. Das ist nicht nur eine Erinnerung die man mal eben so schnell vergisst.

Warum hast Du Dich für einen Freiwilligendienst entschieden?
Annika: Wenn man es rückblickend betrachtet wars mein Plan B. In erste Linie wollte ich nach dem Abitur unbedingt eine Ausbildung machen, die Suche nach einem Ausbildungsplatz hat sich sehr schwierig gestaltet, so dass ich am Ende keinen Ausbildungsplatz angeboten bekommen habe. Ich bin auch beim Stellwerk im Grunde im zweiten durchlauf, nachrückermäßig reingerutscht. Vor allem auch in das Bundesland Thüringen, weil das nicht hauptsächlich der Standort war wo ich mich beworben hatte fürs FSJ.

Was macht den Freiwilligendienst für Dich so besonders?
Annika: Auf jeden Fall die Möglichkeit zu bekommen sich weiterzuentwickeln und Dinge fernab vom schulischen Kontext anzugehen. Ich kann mich noch genau dran erinnern, dass man von der Schule kommt und es gewohnt ist, sieben oder acht Stunden zu sitzen und dem Frontalunterricht beizuwohnen. Ich habe in meinem FSJ, vor allem eben auch am Anfang, gelernt eine Selbstständigkeit zu entwickeln und Eigeninitiative zu ergreifen. Dinge anzugehen, die ich so vielleicht nicht angegangen wäre, weil ich es einfach anders gewohnt war. Also man lässt sich ja da auch ein Stück weit schulisch berieseln und wird dann nicht wirklich dazu geprägt Eigeninitiative zu ergreifen. Das ist etwas ganz anderes, wenn man acht bis zehn Stunden im Theater arbeitet. Und es ist nicht nur eine sitzende Tätigkeit, sondern auch körperlich ein bisschen anstrengend. Da setzt man sich auch ein Stück weit mit sich selbst auseinander, also wer man ist und wo man zukünftig hinmöchte, wo man sich sehen könnte. Man erfährt eine Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

An welche Momente im Freiwilligendienst denkst Du gerne zurück?
Annika: Ich erinnere mich an das letzte Seminar, ich habe noch genau im Kopf wie wir alle einen Luftballon in der Hand hatten und die steigen lassen haben, so als Abschied zu diesem Jahr. Es gab auch einen ganz tollen Graffiti Workshop, der ganz viel Spaß gemacht hat, aber mir auch viele Schmerzen im Unterarm bereitet hat. Das Bild war einfach so cool und generell der anleitet war auch einfach sehr entspannt und hat dann in einer Ruhe weg alles erklärt und uns Tipps und Tricks gezeigt, sodass jeder nach einem halben Tag sprayen und es gut aussah. Ich glaube das war so ein Seminar, da gab es richtig krasse Workshops, wo man sich auch fast nicht entscheiden konnte. Es gab noch einen Fotografie Workshop, da wurden richtige schwarz-weiß Fotos entwickelt und auch ausgestellt, und dann gab es auch noch Poetry Slam. Das war auch eine Sache die mega spannend war, weil es damals noch der Hype war, da war richtig neu.

Ansonsten gab es super viele Momente in der Einsatzstelle, sowohl auf der Bühne wie auch dahinter. Ich habe ja wahnsinnig viel gemacht im Stellwerk. Ich habe auch am Licht gesessen und habe das Licht gefahren. Das waren auch Momente, wo man aufmerksam sein muss, wenn man auf den Knopf drückt und sich dadurch die Lichtstimmung ändert, das hat natürlich auch mit dem Timing zu tun. Man ist angespannt, weil das alles super wichtig ist. Ich weiß noch, wie ich auf der Bühne stand, mit einer Praktikantin in einem riesengroßen T-Shirt, wir haben moderiert und das wurde tatsächlich fotografiert, von der Thüringer Allgemeine, und landete in der Zeitung und ich dachte: „Oh Gott, das haben die nicht fotografiert.“

In Erinnerung geblieben sind auch Premieren von Stücken, die man monatelang betreut hat und dann von der Entstehung der Idee bis zur Zusammenfindung von Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen die bock hatten an dem Stück zu arbeiten. Die ganzen Proben und der Requisitenbau und dann hat man halt eine Premiere und man weiß, dass ganze viele Eltern anwesend sind, die ganz stolz auf ihre Kinder sind und natürlich FSJler*innen, die natürlich genauso fasziniert sind wie man selbst. Man hat da was auf die Beine gestellt und wohnt dann dieser Premiere bei. Und danach das enge Zusammensein mit allen Beteiligten und mit Freunden und Familie, das war immer ein sehr schönes Gefühl. Ich kann mich auch noch daran erinnern, für ein Stück, „Die Räuber“, habe ich mal tagelang Falschgeld bündelweise gebastelt. Das war dann eine riesengroße Sport Tasche voll mit diesem Falschgeld. Wir hatten dann in einer Sparkassen Filiale in Weimar einen Videodreh angemeldet und haben dann einen Raubüberfall nachgestellt mit dieser Tasche Geld. Das war dann ein kleiner Clip der innerhalb des Stückes eine Rolle gespielt hat.

In welcher Form hat Dich Dein Freiwilligendienst geprägt?
Annika: Zusammenfassend ist man glaube ich einfach erwachsener geworden, wenn ich so für mich spreche ich bin auf jeden Fall mega dankbar, dass ich das absolvieren durfte, und schätze dieses Jahr wahnsinnig. Ich bin froh, dass auch alles geklappt hat letztendlich, es war für mich auf jeden Fall herausfordernd, weil ich ja von Zuhause ausgezogen bin, ich kannte nichts anderes, war davor nur einmal in Weimar. Die Wohnungssuche war auch sehr prägend, weil ich einen sehr großen Aufriss betreiben musste. Ich dachte eigentlich es wir relativ einfach in Weimar ein Zimmer zu finden das bezahlbar ist, aber es war tatsächlich nicht so, weil die ganzen WG's, die man angeschrieben hat oder wo man hingefahren ist, meinten: „Naja, FSJ, passt das dann auch finanziell?“ Sodass ich am Ende quasi alleine in eine 4 Zimmer Wohnung gezogen bin, der Vermieter hat sich drauf eingelassen hat, dass ich nur die Miete für mein Zimmer bezahle und ich habe mich dann drum gekümmert, dass auch Leute eingezogen sind. (...)

In den letzten 20 Jahren hat sich viel im Freiwilligendienst getan. Was wünscht Du zukünftigen Freiwilligen? Was sollte sich verändern?
Annika:
Ich glaube was ich zu der Zeit allen jetzigen und zukünftigen Freiwilligen wünsche, ist dass der Dienst vielleicht wieder ein bisschen mehr Normalität erhält. Also, dass Corona keine Rolle mehr spielt, bzw. eine nicht so hochtrabende Rolle. Und man das Jahr so für sich nutzen kann wie wir damals. Also mit ganz vielen Kontakten und Erfahrungen und Momenten, in vollen Theatersälen und vollen Kinos.

Es gibt aber noch einige Sachen die sich verbessern könnten, aus meiner Sicht würde ich mir wünschen, dass der Dienst mehr anerkannt und wertgeschätzt wird, also da angefangen, dass mehr Aufklärungsarbeit gemacht wird. Ich bin mir gar nicht sicher, wie ich aufs FSJ Kultur gekommen bin, aber es war auf jeden Fall eine sehr eigennützige Selbstrecherche, damals als ich Abitur gemacht habe. Uns hatte niemand dazu in Kenntnis gesetzt, dass es so etwas im kulturellen oder politischen Bereich gibt. Es hieß damals nur: „Ja, wenn man nicht zur Bundeswehr geht, dann macht man halt einen dienst im Sozialen, also in der Altenpflege oder als Rettungsfahrer.“ Als ich meinen Eltern und Großeltern erzählt habe was ich eigentlich mache, meinten die „Hä das ist doch nichts richtiges.“, rückblickend dachte ich natürlich: „Klar ist das was Richtiges, man lernt super viel über sich selber, kann sich weiterentwickeln und es ist eine große Hilfe, für das was noch kommt.“ Alleine schon, dass ich so viele Zusagen für Ausbildungsplätze hatte, spricht ja wohl dafür, dass ich dieses Jahr absolviert habe.

Ich würde mir vielleicht wünschen, dass das monatliche Taschengeld ein wenig angehoben wird und dass man eventuell weniger Geldsorgen hat. Man arbeitet sehr viel und steckt da sehr viel rein und es ist eine unglaubliche persönliche Wertschätzung die einem zukommt, zumindest bei meiner Stelle und wenn man da einen finanziellen Puffer hat, der das ganze ein bisschen einfacher macht, dann wäre das ein guter Anreiz. Auch für die Leute die nicht so einen guten Kontakt zu ihren Eltern haben. Es muss ja nicht sein, dass die Eltern immer wenig verdienen, da hat man ja ein Anrecht auf Wohngeld, aber die Leute die nicht so eine gute Bindung zu ihren Eltern haben, wo diese ihr Kind dann nicht unterstützen wollen. Damals hätte ich mir auch unglaublich gewünscht ein Ticket für den ÖPNV zu haben, nicht nur für Weimar aber ganz Thüringen. Auch für Erfurt eine Karte hätte mir gereicht, da ich tatsächlich sehr oft da war.


Name: Steffen Wilhelm
Einsatzstelle: Schotte e.V.
Freiwilligendienstjahr: 2004/2005

Beschreibe Deinen Freiwilligendienst in einem Satz.
Willi: Lehrreich.

Frage: Was macht den Freiwilligendienst für Dich so besonders?
Willi: Das hängt natürlich von den Akteuren ab, also in welcher Einsatzstelle bin ich, wie ist mein*e Mentor*in und wie ist auch natürlich das Team, das mich in dem Jahr begleitet, da hatte ich Glück – auf allen Seiten. Das Team in meiner Einsatzstelle ist mir auf Augenhöhe begegnet und das ist unbezahlbar.

Frage: In welcher Form hat Dich Dein Freiwilligendienst geprägt?
Willi:
Was mir damals wirklich geholfen hat war in punkto Reflexion weiterzukommen, also nochmal das Ganze, dass man sich fragt als Freiwillige*r: ‚Irgendwie die ganze Zeit quatschen reden?‘ und dann über ‚Ja das ergibt schon Sinn das zu reflektieren was man irgendwie ist und tut.‘

Frage: Wenn Du an Deinen Freiwilligendienst denkst, gibt es etwas, wofür Du dankbar bist?
Willi: Für die persönlichen Gespräche mit meinen damaligen Kontaktpersonen in der LKJ.
Das persönliche Gespräch war wahrscheinlich sogar das prägendste.

Fragen an Willi als Mentor: Beschreibe Deine Einrichtung, in Bezug auf den Freiwilligendienst in einem Satz.
Willi:
Freiwillige haben bei uns die Möglichkeit sich in vielen Bereichen des Theaters, hauptsächlich dem Öffentlichkeitsarbeit Bereich, auszuprobieren. Das Ziel ist, den Freiwilligen auf Augenhöhe zu begegnen, sie wirklich in die Berufswelt einzuführen, dass sie mal den Unterschied zwischen Schule und dann der Berufswelt erfahren.

Frage an Willi als Mentor: Was schätzt Du besonders an der Zusammenarbeit mit den Freiwilligen?
Willi:
Man hinterfragt auch mal sein eigenes Schaffen, man hat jemanden der*die noch so unbedarft jung ist und natürlich noch eine andere Sicht auf Dinge hat. Dann muss man natürlich hinterfragen ‚Ist Facebook noch aktuell‘, dann sagt der*die Freiwillige ‚ne das ist doch alles Instagram‘ das ist zwar alles gleich, aber trotzdem gibt es so ein gegenseitiges Befruchten an Ideen.

 


Name: Ronja Hähnlein
Einsatzstelle: Jugendclub und Bibliothek/Touristinformation in Georgenthal
Freiwilligendienstjahr: 2017/18

Beschreibe Deinen Freiwilligendienst in einem Satz.
Ronja:
Oh Gott .... vielleicht, dass der kürzeste Weg nicht immer der Beste ist und dass man, wenn man immer den direkten Weg wählt, auf jeden Fall viele Chancen verpasst, zu wachsen und zu lachen.

Frage: An welche Momente im Freiwilligendienst denkst Du gerne zurück?
Ronja:
Mein persönliches Highlight bleiben nach wie vor die Seminare. Das ist wohl auch der Grund, warum ich Co-Teamerin werden wollte. Dieser wilde Haufen von 40 jungen kulturinteressierten Menschen aus allen Himmelsrichtungen, die sich da viermal für eine knappe Woche in der Provinz zusammenfanden - das hatte immer eine ganz besondere Energie. Das Ganze nennt sich ja Bildungsseminar (und versteht mich nicht falsch: ich hab auf jeden Fall auch jedes Mal eine ganze Menge mitnehmen dürfen), aber vor allem haben wir unfassbar viel gelacht. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit, für die vielen spannenden Leute, die ich dabei kennenlernen durfte – sowohl meine Mit-FSJler:innen als auch die Mitarbeiter:innen der LKJ – und die Freundschaften, die ich bis heute aus dieser Zeit habe.

Frage: In welcher Form hat Dich Dein Freiwilligendienst geprägt?
Ronja: Ich bin „erwachsener“ geworden, was auch immer genau das heißen mag. Auf jeden Fall habe ich mich besser kennengelernt. Ich weiß, dass es meinen Mit-FSJler:innen ähnlich ging. Und auch jetzt als Co-Teamerin kann ich das bei den Freiwilligen beobachten, die ich betreue.